Was bedeutet Teilen denn eigentlich genau?

Der gute alte Duden schreibt dazu: „etwas (unter mehreren Personen) aufteilen“ oder „etwas, was man besitzt, zu einem Teil einem anderen überlassen“.

Im ursprünglichen Sinne ist nie davon die Rede gewesen, daß bei diesem Prozess zusätzlich zum geteilten Gut auch noch Geld den Besitzer wechselt, denn dabei würde es sich genau genommen um Miete handeln. Das eigentliche Teilen enstspricht aber doch eher einem Leihen.

Es gab Zeiten, da hat man sich von Nachbarn zum Backen Mehl oder Eier geliehen, weil die gerade fehlten. Meist wurde noch nicht mal erwartet, dass man später wirklich wieder mit der entsprechenden Menge an Lebensmitteln vor der Tür steht. Man machte es einfach so, weil es nett ist.

Und heute? Heute wird für alles, wirklich alles eine Gegenleistung verlangt. Im besten Fall pekuniärer Art.
Kein Mensch teilt etwas. Es wird vermietet. Und auch das nur ungern, solange man auf der Geberseite ist, wie der Untergang von WHY own it eindrucksvoll zeigte. Es stimmt schon, daß der Trend in unserer heutigen, individualisierten Gesellschaft weg vom Besitzen geht. Wir möchten uns keine Schlagbohrmaschine, die man nur ein mal im Jahr braucht, kaufen, wir wollen sie nur nutzen. Viele leihen sich auch gerne kurzfristig ein Auto über car2go oder DriveNow, aber die wenigen Dinge, die man dann eben doch noch besitzt, mit anderen, womöglich wildfremden Menschen, teilen? Niemals!

Natürlich gibt es auch Apps und Communities, die nicht auf Geld basieren: Lange, lange vor airbnb konnte man mit Couchsurfing oder BeWelcome bei Fremden in aller Welt unterkommen. Interessanterweise konnten diese kostenlosen Angebote niemals die Reichweite der neuen, bezahlten Services erreichen.

Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Anscheinend denken tatsächlich viele so. Zudem sieht es so aus, als sei das Vertrauen in einen bezahlten Dienst höher, als in einen kostenlosen. Das Misstrauen in unserer Gesellschaft ist so groß geworden, dass wir immer einen Haken vemuten.

Wieso sollte man jemanden kostenlos bei sich übernachten lassen, den man gar nicht kennt? Da laufen sofort irgendwelche Gewaltszenarios im Kopf ab, weil man sich einen solch altruistischen Ansatz gar nicht vorstellen kann. Einfach neue Leute und ihre Kultur kennenlernen zu wollen, genügt als Beweggrund nicht. Aber, wenn ich für die gleiche Dienstleistung bezahlen darf, ist das schon in Ordnung so.

Wie also sollte man die Sharing Economy besser nennen? Was wäre eine treffende Bezeichnung, die vielleicht auch mal nicht auf einen Anglizismus zurückgreift? Wir sind gespannt auf eure Kommentare!