01. Jul 2026
Kristina Rosenfeld

Faces of Schwabinger Tor

Mit unserer Porträtreihe stellen wir Menschen vor, die das Schwabinger Tor prägen. Heute lernen wir Kristina kennen – Interior-Designerin, Kosmopolitin und Mieterin der ersten Stunde.

 

Schon bevor erste Fassaden sichtbar wurden und Cafés einzogen, kannte Kristina die Fläche, auf der heute das Schwabinger Tor steht. Damals, erinnert sie sich, sagten sich hier buchstäblich Rehe und Hasen gute Nacht. Als sie und ihr Mann vor über zehn Jahren in ihre Wohnung einzogen, war das Quartier noch in der Entstehung. Über ihnen wurde gebaut, unter ihnen ebenso. Frühmorgens hörte man das Dröhnen der Maschinen, nachts hallte der Lärm vom Bau der Tramhaltestelle zu ihnen herüber. Auch ihre Tochter musste jeden Morgen durch das Chaos zur Schule gehen.

 

Was damals nach Provisorium aussah, wurde Schritt für Schritt zu ihrem Zuhause. Improvisation gehörte zum Alltag – und schuf Nähe. „So eine Baustelle schweißt zusammen“, erinnert sich Kristina. Ein Jahr später heirateten sie und ihr Mann und feierten im La Bohème, quasi direkt vor der eigenen Haustür.

Design trifft Persönlichkeit

 

Als Interior-Designerin mit eigener Agentur vertreibt Kristina Designmöbel und -leuchten, berät Innenarchitekten und Lichtplaner und begleitet große Projekte – vom Werksviertel in München bis hin zu Kunden wie SAP oder dem ADAC. Was sie beruflich für andere entwickelt, setzt sie auch in den eigenen vier Wänden um. Ihre Wohnung ist lichtdurchflutet, offen und voller Blickachsen: Auf der einen Seite schaut man ins Quartier und in die Stadt, vom Balkon aus ins Grüne.

Designklassiker stehen neben geerbten Stücken, klare Linien treffen auf Dinge mit Geschichte, neue Objekte setzen bewusste Akzente. Nichts wirkt zufällig, aber auch nichts überinszeniert. Es ist ein Zuhause, das gewachsen ist – und sich weiter verändern wird, wie Kristina lachend ankündigt. Bewegung gehört für sie dazu, im Kleinen wie im Großen.

 

Geboren in Hessen, später viele Jahre in Bremen, hat Kristina lange außerhalb Deutschlands gelebt – in den USA, in Italien, in Griechenland. Heute spricht sie sechs Sprachen. Nach München kam sie der Liebe wegen. Früher lebte die Familie in der großen Wohnung zu viert, inzwischen teilen sie und ihr Mann die 120 Quadratmeter. Zu zweit – allerdings selten in Ruhe. Kristina bezeichnet sich selbst als Teil des „Team Party“. Schulfreundinnen ihrer Tochter trifft sie zufällig beim Ausgehen, sie lädt gern Gäste ein und kennt viele Menschen im Quartier. Man begegnet der 58-Jährigen bei Eröffnungen, im Jaadin, im La Bohème oder in der Marta. Es ist dieses selbstverständliche Mittendrinsein, das ihren Alltag prägt.

Mit Gespür für Orte und Atmosphäre

 

Wenn sie den Kopf freibekommen will, springt sie mittags auf ein paar Bahnen ins Ungerer Bad rüber – ihr kleines Ritual zwischen Arbeit und neuen Ideen. Ihr Mann arbeitet als TV-Producer und ist häufig unterwegs, manchmal begleitet sie ihn. Und obwohl Kristina im Schwabinger Tor längst angekommen ist, zieht es die Halbitalienerin gedanklich immer wieder in die Wärme. Ihr großer Traum: ein zweites Zuhause in sonnigeren Gefilden, irgendwo, wo der Winter kürzer ist. In ihrer Lieblingsstadt Rio de Janeiro vielleicht. Oder in Südeuropa.

 

Danke, liebe Kristina, für deine Einblicke und die Erinnerung an die frühen Tage dieses Ortes. Es wird schnell klar: Du gestaltest Räume mit einem klaren Blick für Atmosphäre und Identität.