WIE DU MIR, SO ICH DIR?

Auf den Straßen herrscht Krieg, könnte man meinen. Daneben auf Rad- und Fußwegen sowieso. Es wird gehupt, geklingelt und gepöbelt. Aber muss das denn eigentlich sein? Woran liegt es, dass wir nicht einfach nett miteinander umgehen, wenn wir von A nach B unterwegs sind?

Beim Autofahrer scheint die Sache schnell klar: „Alle fahren wie die Bekloppten, nur ich nicht.“ Und wieso sind da überhaupt so viele andere Autos unterwegs? In den Werbespots der Automobilbranche ziehen die neusten Boliden doch auch einsam ihre Runden in völlig leeren Metropolen! Ich hingegen stehe im Berufsverkehr, komme erst nicht vorwärts und finde dann keinen Parkplatz, da ist es doch kein Wunder, wenn man mal ein wenig die Fassung verliert! Da kann man doch mal die anderen Verkehrsteilnehmer auf ihr Fehler hinweisen!

Die Aggression der Radler hat ihre Ursache in den Einschränkungen, die ihnen Verkehrsplaner und Mitmenschen vor die Reifen werfen: Bettelampeln, die erst eine gefühlte Ewigkeit nach dem Drücken grün werden, absurdeste Wegeführungen, Rechtsabbieger, die einen mangels Schulterblick gerne mal übersehen und dann noch diese permanent auf dem Radweg herumlungernden Fußgänger! Natürlich wird da über rot gefahren, um die Zeit wieder reinzuholen, die man durch die anderen verloren hat!

Der Fußgänger ist gleichsam das Opfer beider bislang behandelter Spezies. Nach all der Mißachtung und Geringschätzung kann sich da schon mal ein gewisses Aggressionspotential aufbauen!

Aber ist das alles wirklich nötig? Muss das alles sein?

Würde uns allen nicht ein wenig mehr Gelassenheit und Toleranz im Straßenverkehr gut tun? Fehler machen wir sowieso alle, Irren ist bekanntlich menschlich. Also sollten wir vielleicht eher mit ihnen rechnen und sie verzeihen, anstatt uns über sie aufzuregen. Denn was hat man denn davon?
Man ist nicht schneller, wenn man sich aufregt, man ist nicht entspannter, es geht einem nicht besser danach. Und könnte die Antwort auf die Frage „Ja, darf der das denn überhaupt?!?“, nicht so manches mal tatsächlich einfach „Ja.“ lauten?

Eine gute Idee könnte auch mal ein Perspektivwechsel sein: Als Radler mal ins Carsharingauto steigen oder also Autofahrer die Karre mal stehen lasssen und sich in den Sattel schwingen. Das Schwabinger Tor beispielsweise kann man dank der vielen Fahrradstellplätze auch wunderbar radelnd erreichen. Und da das Areal komplett autofrei angelegt ist, fühlt sich hier auch der Fussänger wohl.

Sollten wir nicht alle mal einen Gang zurückschalten, von vornherein mehr Zeit für unsere Wege einplanen und die anderen Verkehrsteilnehmer einfach nur das sein lassen, was sie sind: Menschen, die auch nur von A nach B wollen. Schließlich hat schon Jesus gesagt, liebt eure Feinde wie euch selbst. Es wäre doch schön, wenn auf den Straßen nicht Krieg, sondern Frieden herrschen würde.